Energieeffizienz, Energiemärkte, Fördermittel, Gesetzgebung
Flexible Beschaffung entlang der Lieferjahre
Die Preisentwicklung an den Strom- und Gasmärkten wird von einer Vielzahl unterschiedlicher Einflussfaktoren bestimmt. Während die näheren Lieferjahre stärker auf aktuelle Markt- und Nachrichtenlagen reagieren, werden weiter entfernte Kalenderjahre zunehmend durch langfristige Fundamentalerwartungen geprägt.
Im Jahr 2026 wirken insbesondere geopolitische Risiken im Nahen und Mittleren Osten, die Bedeutung globaler LNG-Lieferketten, zeitweise erhöhte LNG-Nachfrage aufgrund von Hitzewellen sowie Schwankungen bei den CO₂-Preisen preisstützend beziehungsweise preistreibend. Demgegenüber stehen preisdämpfende Faktoren wie der weitere Ausbau erneuerbarer Energien, zusätzliche Import- und Erzeugungskapazitäten, eine zeitweise schwächere industrielle Nachfrage sowie die Entwicklung der europäischen Gasspeicher.
Vor diesem Hintergrund sind die Lieferjahre Cal-27 bis Cal-30 differenziert zu bewerten:
- Cal-27 wird weiterhin stärker von kurzfristigen Marktbewegungen, geopolitischen Risiken, der Entwicklung der Gas- und LNG-Märkte sowie witterungsbedingten Nachfrageänderungen beeinflusst.
- Cal-28 und Cal-29 orientieren sich zunehmend an mittelfristigen Fundamentalfaktoren wie Nachfrageerwartungen, dem Ausbau erneuerbarer Energien und zusätzlichen Erzeugungs- beziehungsweise Importkapazitäten.
- Cal-30 wird stärker von langfristigen Markt- und Strukturannahmen geprägt. Kurzfristige Risikoeinflüsse verlieren an Bedeutung, während Erwartungen zur zukünftigen Marktversorgung und Energiewende stärker in den Fokus rücken. Gleichzeitig ist bei weiter entfernten Lieferjahren die geringere Marktliquidität zu berücksichtigen.
Aus der unterschiedlichen Bewertung der einzelnen Lieferjahre ergibt sich die Möglichkeit, Beschaffungsentscheidungen gezielt kalenderjahresspezifisch auszurichten. Lieferjahre müssen nicht zwingend gemeinsam oder in chronologischer Reihenfolge beschafft werden. Stattdessen kann jedes Lieferjahr eigenständig bewertet, ausgeschrieben und eingedeckt werden.
Dadurch kann beispielsweise zunächst eine Beschaffung für die Lieferjahre 2028 und 2029 erfolgen, während das Lieferjahr 2027 zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet wird. Dieser Ansatz schafft zusätzliche Flexibilität, da Marktchancen in einzelnen Lieferjahren genutzt werden können, ohne die gesamte Vertragslaufzeit gleichzeitig preislich festzuschreiben.
Handlungsempfehlung
Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktsituation empfiehlt sich eine flexible, lieferjahresspezifische Beschaffungsstrategie. Marktlage, Risikoprofil und strategische Bedeutung der einzelnen Kalenderjahre sollten unabhängig voneinander bewertet werden. Dadurch können Beschaffungsentscheidungen gezielt an unterschiedliche Marktphasen angepasst werden, ohne an eine starre Reihenfolge der Lieferjahre gebunden zu sein.